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Einst berühmt - heute vergessen?

Gedenktafeln Friedhof Rahnsdorf

Gustav Borgmann-Wiederherstellung seines Grabes

Ein Gedenkstein für Charlotte von Mahlsdorf

Schilderaktion auf dem
Friedhof Karlshorst

Restaurierung des Grabes der verunglückten Kinder auf dem Zentralfriehof Friedrichsfelde


Der Zentralfriedhof Friedrichsfelde

Am 5. Juli 2011 beteiligte sich die IGHF Berlin auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde an einer Veranstaltung zum Gedenken an 30 Opfer eines Schiffsunglücks vor 60 Jahren.

Auf dieser Trauerfeier legte die Interessengemeinschaft in Anwesenheit der Friedhofsverwaltung, von Christina Emmrich, der Bezirksbürgermeisterin von Lichtenberg, des Vorstehers der Bezirksverordnetenversammlung von Treptow-Köpenick, Siegfried Stock, und Überlebenden Rosen auf die Gräber von 16 Opfern der Grabgedenkstätte. Auf dem Gräberfeld enthüllte sie eine Informationstafel, die vom Förderkreis Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde e. V. finanziert worden war.  Die restlichen 14 Verunglückten, die auf zwei Marmorgedenktafeln des Grabmals erwähnt werden, ruhen auf anderen Berliner Friedhöfen. Die verwitterten Grabkissen der Beigesetzten ließ die Initiative von Steinmetzen restaurieren. Seit Ende 2011 befinden sie sich wieder an der alten Stelle.

Am 5. Juli 1951 wollten 127 Kinder zwischen 7 und 14 Jahren aus dem Berliner Bezirk Prenzlauer Berg während der staatlichen Ostberliner Ferienspiele vom Treptower Hafen bis zum Hessenwinkel an der Müggelspree fahren. Vorgesehen für die Fahrt war der Dampfer Heimatland des Kapitäns Erich Weise.

Da der Dieselmotor seines Schiffes defekt war, musste er ihn schnellstmöglich durch einen Benzinmotor ersetzen. Obwohl dieser technisch nicht zulässig war, wurde er dennoch von der Deutschen Schiffs- und Umschlagzentrale, der staatlichen DDR-Reederei, aus Knappheitsgründen akzeptiert. Wenige Minuten, nachdem der Dampfer losgefahren war, kam es zu einer Explosion des Tanks mit 400 Litern Benzin. In den Flammen, die sich auf dem Schiff ausbreiteten, und in der Spree starben 28 Kinder und zwei Betreuerinnen. Die restlichen Kinder, die ins Wasser gesprungen waren, konnten u. a. von einem Dampfer namens Elfriede und der Volkspolizei gerettet werden. 60 Personen wurden mit Brandverletzungen in die Krankenhäuser eingeliefert.

Die Rettungsaktion war dadurch behindert, dass die Rettungskräfte aus West-Berlin von den Grenzpolizisten erst nach langem Zögern in den Ostteil der Stadt gelangen konnten. Für dieses Schiffsunglück wurde der Kapitän Erich Weise zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Seit 2005 erinnert im Treptower Hafen eine Steingedenkplatte an dieses Ereignis.

Für die überlebenden Kinder blieb die Schiffskatastrophe ein Trauma, über das sie nicht lange sprachen. Auf der Gedenkfeier war von den Betroffenen der heutige Arzt Klaus Günterberg anwesend, der von der Kajüte des Ausflugsdampfers eine Stichflamme beobachtet hatte. Manfred Koll, einst Personenschutzfahrer von Gregor Gysi, stand am Bug des Schiffes und sprang bei der ersten Explosion sofort ins Wasser.

Da dieser Unglückstag sein neunter Geburtstag war, wurde das Inferno in diesem Augenblick seines Lebens immer wieder lebendig.

Marion Fischer legte an der Gedenkstätte Blumen nieder zur Erinnerung an ihre Schwester Reinhilde Wegener, die auf dem brennenden Dampfer ums Leben gekommen war.  

 

    


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